Kunststoffe     18.06.2003

Kunststoffverscheibung im Automobil rückt näher

Spritzprägen. Kleine Autoscheiben aus Kunststoff werden bereits serienmäßig in Pkw eingebaut. Große Kunststoffscheiben wirtschaftlich herzustellen war bisher für die Automobilhersteller nur eine Vision.

Mit dem neuen Spritzprägeverfahren IMPmore können jetzt große Fahrzeugscheiben aus Polycarbonat gefertigt werden. Die Umsetzung dieses Entwicklungsschritts gelang in einer Kooperation zwischen der Battenfeld Spritzgießtechnik, Summerer Technologies und Exatec. "IMPmore" ist nach Angaben der beteiligten Unternehmen ein neues Verfahren zum In-Mold- Pressing mit integrierter, spezieller Werkzeugtechnik. Damit lassen sich große Formteile aus PC mit geringen Wanddicken bei langen Fließwegen und mit geringer Zuhaltekraft spannungsarm spritzgießen. Die Vision von Kunststoffscheiben für die Seiten bzw. Heckpartie und Dachmodule im Auto nimmt erstmals Realität an.
Die Anlage für die Produktion großer Fahrzeugscheiben aus PC besteht aus dem IMPmore-Werkzeug, einer für das neue IMPmore-Verfahren optimierten 20000kN Spritzgießmaschine aus der HM-Baureihe und einem ABB-Roboter des Typs IRB6650. Dem Fachpublikum wird die neue Fertigungseinheit zum ersten Mal zur NPE in Chicago vorgestellt.

Die Anlage besteht aus einer 2-Platten-Spritzgießmaschine (Schließkraft: 20 000 kN), einem für das neue
Spritzprägeverfahren entwickelten Werkzeug und einem Handhabungsroboter für die Entnahme der Scheiben

Reproduzierbarer Prägehub mit hoher Genauigkeit

Die Spritzgießmaschine des Herstellers Battenfeld, die mit einer Steuerung Unilog B4 ausgestattet ist, steht für hohe Präzision, gute Zugänglichkeit und kurze Baulänge. Mit dem 2-Platten-Modul wird eine Maschinenausführung eingesetzt, die durch ihre vier ausfahrbaren Holme, in Verbindung mit einer großen Aufspannfläche, die seitliche Werkzeugmontage und die Entnahme sperriger Werkzeuge - wie für große Pkw-Scheiben erforderlich gewährleistet.
Mit dem hydraulischen Schließsystem der HM wird ein reproduzierbarer Prägehub mit der gewünschten Geschwindigkeit bei hoher Genauigkeit gefahren. Die Fertigungsanlage HM 20000 2P/19000 Unilog B4 verfügt zudem über eine für die Verarbeitung von transparentem PC optimierte Schnecken- und Zylindereinheit.
Pkw-Scheiben aus PC sind im Vergleich zu Glas um 40 bis 50 % leichter, besitzen eine sehr hohe Schlagfestigkeit und erhöhen die passive Sicherheit der Fahrzeuginsassen. Das reduzierte Gewicht senkt den Benzinverbrauch. Gleichzeitig wird der Pkw- Schwerpunkt weiter nach unten verlagert und die Fahreigenschaft des Fahrzeugs verbessert. Die bisher als Problem bekannte Kratzempfindlichkeit bei Kunststoff wird durch eine Plasmabeschichtung gemeistert, die die benötigte Oberflächenhärte erzielt. Diesen Entwicklungspart übernahm in dem Projekt Exatec, ein Joint Venture der Bayer AG und GE Plastics.

Ausbau der Fertigungszelle

Für die Weiterentwicklung von Autoscheiben ist die neue Fertigungsanlage ein großer Schritt nach vorne und doch erst der Anfang für weitere Innovationen. So kann die Fertigungszelle beispielsweise zum direkten Anspritzen von Dichtungen mit einem 2-Komponenten-Modul ausgestattet werden. Eine Funktionsintegration unter anderem von Leuchten und Befestigungselementen wird möglich und zugleich erhöht sich die Freiheit der Designer bei der 3D-Formgebung.

Kooperationspartner:

Summerer Technologies
Gänsbach 1
D-83253 Rimsting
Tel: +49 (08051) 5011
Fax: +49 (08051 1211
www.summerer.de
Battenfeld GmbH
Scherl 10
D-58527 Meinerzhagen
Tel: +49 (02354) 72 0
Fax: +49 (02354) 72 235
www.bmf.battenfeld.com
Exatec European Applicatin Center
Friedrich-Ebert-Straße
D-51429 Bergisch Gladbach
Tel: +49 (02204) 84 27 00
Fax: +49 (02204) 84 27 05
www.exatec.de